Innere Medizin

Diabetes Typ 2: Warum Dein Team die wichtigste Rolle spielt. Und wann Sie zum Spezialisten müssen.

Die grosse Mehrheit der Menschen mit Diabetes Typ 2 wird in der hausärztlich-internistischen Praxis betreut. Nur ein kleinerer Teil benötigt eine endokrinologische Mitbetreuung. Dieser Artikel erklärt, warum die Mehrheit bei einer guten internistischen Begleitung besser aufgehoben ist. Und was die Signale sind, die den Wechsel zur Spezialist:in anzeigen.

Elisabeth am Küchentisch ordnet ihre Diabetes- und weiteren Medikamente in einen Wochendispenser, mehrere Schachteln verschiedener Apotheken vor sich.

Diabetes Typ 2 wird in der Schweiz laut SGED-Leitlinie 2023 primär internistisch geführt. Mit quartalsweisen Verlaufskontrollen (HbA1c, Blutdruck, Nierenwerte), einem jährlichen Screening auf Folgekomplikationen und einer Erstbehandlung gemäss SGED 2023 als Kombination aus Metformin plus einem SGLT-2-Hemmer oder GLP-1-Rezeptor-Agonisten von Beginn an, da nahezu alle Betroffenen ein hohes kardiovaskuläres Risiko tragen. Eine Endokrinologie übernimmt bei Insulin-komplexen Regimen, bei starker HbA1c-Schwankung trotz maximal-oraler Therapie oder bei Diabetes-Subtypen wie LADA und MODY. Für die grosse Mehrheit ist die Kontinuität bei Ihrem Team. Die Kenntnis des Lebensstils, der Komorbiditäten und der Medikation. Klinisch wertvoller als die Frequenz beim Spezialisten.

Die Rolle der internistischen Praxis: was wirklich passiert.

In der Schweiz wird der grösste Teil der Menschen mit Diabetes Typ 2 in der hausärztlich-internistischen Praxis betreut, nur eine Minderheit wird je an die Endokrinologie überwiesen. Dahinter steht eine bewusste klinische Entscheidung: bei einem stabilen HbA1c, einer beherrschbaren Medikation und einem:r Patient:in, die:der im Alltag weiss, woran sie:er ist, fügt eine zusätzliche Spezialsprechstunde kaum klinischen Wert hinzu. Was sie dagegen kostet: Zeit, Fahrt, doppelte Anamnese, oft auch das Gefühl, dass jetzt "etwas ernst" ist.

Die internistische Diabetes-Sprechstunde besteht aus drei Elementen. Erstens: die regelmässige Verlaufskontrolle mindestens zweimal jährlich, in der HbA1c, Blutdruck, Gewicht und Nierenwerte zusammen gelesen werden. Zweitens: das jährliche Screening. Augen, Füsse, Nieren, kardiovaskuläres Risiko. Drittens: die Medikationsanpassung, die sich in definierten Stufen bewegt und bei der die Komorbiditäten mehr zählen als die reine Glukose-Zahl.

Medikation: Metformin, SGLT-2, GLP-1. Wer macht was.

Die Medikationskaskade bei Diabetes Typ 2 ist in den letzten zehn Jahren breiter, aber auch klarer geworden. Die SGED 2023 empfiehlt die Erstbehandlung als Kombination aus Metformin plus einem SGLT-2-Hemmer oder einem GLP-1-Rezeptor-Agonisten von Beginn an, da nahezu alle Betroffenen ein hohes kardiovaskuläres Risiko tragen. SGLT-2-Hemmer (Dapagliflozin, Empagliflozin) senken den Blutzucker und schützen zusätzlich Herz und Niere, mit besonderem Nutzen bei Herzinsuffizienz und chronischer Niereninsuffizienz. GLP-1-Agonisten (Semaglutid, Liraglutid) sind die bevorzugte Wahl, wenn Gewichtsreduktion klinisch relevant ist oder wenn die Zielwerte mit der ersten Kombination nicht erreicht werden.

All das lässt sich internistisch führen. Was die Endokrinologie anbietet, wird interessant, wenn Insulin ins Spiel kommt. Basalinsulin, prandiales Insulin, gemischte Schemata, wenn die HbA1c trotz oraler Dreifachtherapie nicht unter 7,5 Prozent gehalten werden kann, oder wenn das Krankheitsbild Hinweise auf einen anderen Diabetes-Typ gibt (LADA im Erwachsenenalter, MODY bei familiärer Häufung früh im Leben).

Wann der Wechsel zur Endokrinologie sinnvoll ist.

Die folgenden Situationen gelten nach SGED als klare Indikation für eine endokrinologische Mitbetreuung. Die Endokrinologie ersetzt Dein Team dabei nicht, sie ergänzt es. Wir nennen das in der Praxis "geteilte Führung": Dein Team bleibt Ihre erste Anlaufstelle, die Endokrinologie übernimmt den komplexen Teil der Therapie.

  • Insulinpflicht und eine komplexe Basis-Bolus-Therapie.
  • Ein HbA1c über 8,5 Prozent trotz drei oralen Wirkstoffen.
  • Verdacht auf LADA (latenter autoimmuner Diabetes im Erwachsenenalter).
  • Verdacht auf MODY (familiäre Häufung, Erkrankung vor dem 25. Lebensjahr).
  • Geplante oder bestehende Schwangerschaft.
  • Wiederholte Hypoglykämien unter Insulin oder Sulfonylharnstoffen.
  • Sehr instabile Blutzuckerlage ohne erklärbare Ursache.

Wie die Diabetes-Sprechstunde bei Dein Team aussieht.

Bei Dein Team fürs Leben bekommt jede:r Patient:in mit Diabetes Typ 2 ein quartalsweises Verlaufskontroll-Fenster, das im Kalender vorgezogen ist. Wir messen HbA1c, Blutdruck, Nierenwerte. Wir schauen uns die Medikationsliste an. Wir fragen Sie, wie Ihr Alltag mit der Erkrankung aussieht. Schlaf, Arbeit, Bewegung, Appetit. Einmal im Jahr erweitern wir das zum Jahres-Review: Augenarzt, Fusskontrolle, erweitertes kardiovaskuläres Profil. Wenn einer der oben genannten Trigger auftaucht, organisieren wir die endokrinologische Mitbetreuung. Und bleiben Dein Team.

:::cta-box{variant=alpine headline="Diabetes hat auch eine kardiologische Seite" body="Diabetes Typ 2 erhöht das Herz-Kreislauf-Risiko messbar. Welche Therapie es heute senkt und ab wann eine kardiologische Mitbeurteilung sinnvoll ist, lesen Sie auf dem Schwester-Hub dth.healthcare." url="https://dth.healthcare/diabetes-herzrisiko" label="Zum DTH-Companion: Diabetes und Herz"}

Quellen

  1. SGED. Schweizerische Gesellschaft für Endokrinologie und Diabetologie. Empfehlungen zur Behandlung von Diabetes mellitus Typ 2. Aktualisiert 2023. Verfügbar unter: sgedssed.ch
  2. American Diabetes Association. Standards of Care in Diabetes (2024). Diabetes Care 2024;47(Suppl 1):S1-S321.
  3. Davies MJ, Aroda VR, Collins BS et al. Management of hyperglycaemia in type 2 diabetes, 2022. A consensus report by ADA and EASD. Diabetologia 2022;65:1925-1966.
  4. Zelniker TA, Wiviott SD, Raz I et al. SGLT2 inhibitors for primary and secondary prevention of cardiovascular and renal outcomes in type 2 diabetes: a systematic review and meta-analysis of cardiovascular outcome trials. Lancet 2019;393:31-39.
  5. Marso SP, Daniels GH, Brown-Frandsen K et al. Liraglutide and cardiovascular outcomes in type 2 diabetes. NEJM 2016;375:311-322.