Innere Medizin

Eine Wunde, die seit Wochen oder Monaten nicht abheilt. Verbandwechsel, denen Sie eigentlich vertrauen. Salben, die schon viele Patienten gesehen haben. Und trotzdem: der Wundrand bleibt gerötet, das Wundbett wirkt müde, und der Hautrand schiebt sich nicht nach innen. Wenn Sie oder ein Angehöriger das kennen, gehören Sie zu den geschätzten 1 bis 2 Prozent der erwachsenen Bevölkerung, die im Lauf des Lebens eine chronische Wunde entwickeln. Bei Dein Team fürs Leben setzen wir genau dann eine biologische Matrix ein, die in den letzten Jahren die Wundtherapie deutlich verändert hat: die Kerecis Omega-3-Fischhaut.

Elisabeth am Küchentisch mit mehreren Medikamentenschachteln verschiedener Apotheken und einem Wochendispenser.

Kurz erklärt: Was Kerecis Omega-3-Fischhaut ist

:::answer-block{eyebrow="Kurz erklärt"} Kerecis Omega-3 ist eine azelluläre Wundmatrix aus der Haut des nordatlantischen Kabeljau (Gadus morhua), zugelassen seit 2013 durch die US-amerikanische FDA. In einem schonenden Verfahren werden alle zellulären Bestandteile entfernt, sodass nur das dreidimensionale Gerüst aus Kollagen, Proteinen und Omega-3-Fettsäuren (EPA und DHA) zurückbleibt. Auf die vorbereitete Wunde aufgelegt, dient diese Matrix als biologisches Gerüst, in das körpereigene Fibroblasten und Keratinozyten einwandern und neues Gewebe bilden. Klinische Studien an chronischen, therapieresistenten diabetischen Fussulzera zeigen einen signifikant höheren Anteil komplett verschlossener Wunden nach zwölf Wochen im Vergleich zu Standardwundauflagen [Lullove et al., Wounds 2021]. Weil die Quelle ein Kaltwasserfisch ist, gibt es keine bekannten Säugetier-spezifischen Krankheitserreger, die übertragen werden könnten [Magnússon et al., Mil Med 2017]. :::

Warum die Standardwundpflege manchmal an ihre Grenzen kommt

Die meisten Wunden heilen mit einer gut geführten Standardtherapie. Diabetische Fussulzera, venöse und arterielle Beinulzera, Dekubitus und schwer heilende Operationswunden sind eine andere Geschichte. Sie verharren oft monatelang in der Entzündungsphase. Der Wundgrund ist von einem Biofilm überzogen, die lokale Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen ist reduziert, und die körpereigenen Reparaturzellen erhalten nicht das richtige Signal, um in Richtung Wundverschluss zu arbeiten.

In dieser Situation reicht ein passiver Verband nicht mehr aus. Was die Wunde braucht, ist ein biologisch aktives Gerüst, das die Reparaturzellen einlädt und das chronische Entzündungsmilieu durchbricht. Genau dieser Punkt unterscheidet Kerecis von einer klassischen Wundauflage.

Was Kerecis tatsächlich tut

Die Wirkung beruht auf drei zusammenhängenden Eigenschaften, die in präklinischen und klinischen Studien beschrieben sind:

:::editorial-list{columns=2}

  • Strukturelles Gerüst. Die Porenstruktur der Fischhaut ähnelt der menschlichen Dermis. Sie bietet ein dreidimensionales Gerüst, in das Fibroblasten und Keratinozyten einwandern können [Rakers et al., Exp Dermatol 2010].
  • Omega-3 wirkt entzündungsmodulierend. Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) reduzieren die Aktivität pro-inflammatorischer Mediatoren und unterstützen ein heilungsförderndes Milieu [Schiefer et al., Adv Wound Care 2022].
  • Förderung der Vaskularisation. Die Matrix wird vom Körper besiedelt und schrittweise in lebendes Gewebe umgebaut. Tier- und In-vitro-Daten zeigen eine erhöhte Angiogenese im Wundbett [Magnússon et al., Mil Med 2017].
  • Hervorragende Biokompatibilität. Weil keine zellulären Bestandteile vorhanden sind und der Spender ein Fisch ist, gibt es kein bekanntes Risiko der Übertragung von Säugetierviren [Baldursson et al., Int J Low Extrem Wounds 2015]. :::

Wundtherapie als Leistung bei Dein Team

Auf der Leistungsseite Wundtherapie finden Sie eine Übersicht über alle Verfahren, die wir kombinieren: Kerecis, VAC, kompressionsbasierte Therapie und gefässmedizinische Abklärung.

Zur Leistung Wundtherapie
## Wann wir Kerecis einsetzen: Indikationen und Studienlage

Wir greifen zu dieser Matrix typischerweise bei Wunden, die nach vier bis sechs Wochen unter konsequenter Standardtherapie keine relevante Heilungstendenz zeigen. In den publizierten Studien sind die häufigsten Indikationen:

:::editorial-list{columns=2}

  • Diabetisches Fussulkus. In einer multizentrischen, verblindeten randomisierten Studie waren nach zwölf Wochen 67 Prozent der mit Kerecis behandelten Wunden vollständig geschlossen, gegenüber 32 Prozent unter Standardwundauflage (P = 0,0152) [Lullove et al., Wounds 2021].
  • Venöses und arterielles Ulcus cruris. Retrospektive Fallserien zeigen beschleunigten Wundverschluss bei zuvor therapieresistenten Verläufen [Michael et al., Wounds 2019].
  • Dekubitus. Insbesondere bei tiefen Druckgeschwüren mit freiliegendem Faszien- oder Sehnengewebe.
  • Schwer heilende Operationswunden und Wunddehiszenzen nach gefässchirurgischen oder orthopädischen Eingriffen.
  • Traumatische Wunden und partial-thickness Verbrennungen.:::

Wichtig: Kerecis ersetzt keine Diagnostik. Wer eine schlecht heilende Wunde am Bein hat, braucht zuerst eine Abklärung der Durchblutung. Ohne ausreichende arterielle Versorgung kann auch die beste Matrix nicht heilen. Diese Reihenfolge halten wir konsequent ein.

Der Ablauf bei Dein Team fürs Leben

In der Regel umfasst der Weg drei Stationen:

:::editorial-list{columns=2}

  • Erstkonsultation und Diagnostik. Wir nehmen die Wundanamnese auf, beurteilen Wundgrund, Wundrand und Umgebung und veranlassen die notwendigen Untersuchungen (Knöchel-Arm-Index, Doppler, gegebenenfalls Bildgebung, Stoffwechsellabor).
  • Wundbettvorbereitung. Vor der ersten Kerecis-Anwendung wird die Wunde gereinigt, devitales Gewebe entfernt und die Infektion kontrolliert. Diese Phase entscheidet oft mehr über den Erfolg als das Produkt selbst.
  • Anwendung und Verlaufskontrolle. Die Matrix wird steril aufgelegt und mit einem geeigneten Sekundärverband fixiert. Die Wechselintervalle liegen je nach Wunde bei sieben bis vierzehn Tagen. In den meisten Fällen sind zwei bis sechs Anwendungen nötig, bevor die Wunde messbar kleiner wird und sich neues Gewebe zeigt. :::

Diese Zahlen stammen aus der publizierten Literatur und decken sich mit unserer praktischen Erfahrung. Sie sind kein Versprechen. Wundheilung ist immer individuell und hängt von Gefässen, Stoffwechsel, Ernährung und Mobilität ab. Genau diese Faktoren betreuen wir parallel mit, weil sie über den Heilungserfolg mitentscheiden.

:::faq

Wird die Kerecis-Behandlung von der Krankenkasse übernommen?

Die Kostenübernahme erfolgt fallbezogen. Bei medizinisch klar begründeter Indikation, dokumentierter Therapieresistenz und entsprechender Verordnung wird die Anwendung in vielen Fällen durch die Grundversicherung getragen. Wir klären die Kostensituation vor der ersten Anwendung mit Ihnen und Ihrer Krankenkasse.

Ist die Anwendung schmerzhaft?

Das Auflegen der Matrix selbst ist nicht schmerzhaft. Die Wundbettvorbereitung, also das Reinigen und Entfernen von devitalem Gewebe, kann je nach Wundtiefe lokal anästhesiert werden. Viele Patienten berichten nach der ersten Anwendung über eine spürbare Reduktion des Wundschmerzes, vermutlich weil die Matrix die freiliegenden Nervenenden abdeckt.

Wie unterscheidet sich Kerecis von einer Hauttransplantation?

Bei einer klassischen Hauttransplantation wird eigenes Hautgewebe an anderer Stelle entnommen und auf die Wunde übertragen. Kerecis ist demgegenüber kein körpereigenes Gewebe. Es handelt sich um eine biologische Matrix, die als Gerüst dient. Sie wird vom Körper besiedelt und in eigenes Gewebe umgebaut. Eine Hautentnahmestelle wird damit vermieden.

Gibt es Patienten, bei denen Kerecis nicht eingesetzt werden sollte?

Ja. Bei nachgewiesener Allergie auf Fischprodukte sollte die Anwendung sorgfältig abgewogen werden, auch wenn keine relevante immunologische Reaktion auf die azelluläre Matrix beschrieben ist. Bei unbehandelter kritischer Ischämie steht die Wiederherstellung der Durchblutung vor jeder Matrixanwendung. Bei aktiver tiefer Wundinfektion wird zuerst die Infektion kontrolliert.

Wie schnell sehen wir, ob die Therapie anschlägt?

Die ersten objektiven Hinweise (Reduktion der Wundfläche um mindestens fünfzig Prozent gegenüber dem Ausgangsbefund) erwarten wir typischerweise innerhalb von vier bis sechs Wochen. Bleibt diese Reduktion aus, evaluieren wir die Strategie neu, statt am Verfahren festzuhalten. :::

Termin in der Sprechstunde Wundtherapie

Wir prüfen Ihre Wunde, klären die Durchblutung und besprechen mit Ihnen, ob Kerecis Omega-3, VAC-Therapie oder eine kombinierte Strategie der richtige nächste Schritt ist. Erstkontakt ohne Überweisung. Termin in der Regel innerhalb einer Woche.

Termin buchen
*Prof. Dr. Craig K. Fritz M.Sc., Physician Associate für Allgemeine Innere Medizin, Schmerzmedizin, Praxisleitung Dein Team fürs Leben.*