Innere Medizin

Plantarfasziitis und Fersensporn: Was wirklich hilft, wenn die Ferse beim ersten Schritt sticht

Sie stehen morgens aus dem Bett auf, setzen den Fuss auf den Boden und ein stechender, brennender Schmerz schiesst durch die Ferse. Nach ein paar Schritten wird es etwas besser, aber nach längerem Sitzen oder einem Lauftraining kehrt der Schmerz zurück. Dieses sehr typische Muster ist das Leitsymptom einer Plantarfasziitis, einer Reizung der grossen Sehnenplatte unter Ihrer Fusssohle. In den meisten Fällen lässt sich der Verlauf konservativ steuern, wenn die richtigen Massnahmen früh und konsequent eingesetzt werden.

Thomas steht an einem höhenverstellbaren Stehpult im Büro, eine Hand auf der Tischplatte abgestützt, leicht belastet stehend.

:::answer-block{eyebrow="Kurz erklärt"} Die Plantarfasziitis ist eine schmerzhafte Reizung der Plantarfaszie, der bindegewebigen Sehnenplatte zwischen Fersenbein und Zehengrundgelenken. Sie ist die häufigste Ursache von Fersenschmerzen bei Erwachsenen und betrifft etwa zehn Prozent der Bevölkerung im Lauf des Lebens [Trojian T, Tucker AK, Am Fam Physician 2019]. Das klassische Zeichen ist ein stechender Schmerz unter der Ferse bei den ersten Schritten am Morgen oder nach längerem Sitzen. Ein häufig im Röntgenbild sichtbarer knöcherner Fersensporn ist meist eine Folge der chronischen Zugbelastung, nicht die eigentliche Schmerzquelle [Buchbinder R, N Engl J Med 2004]. Konservative Therapie mit Dehnübungen der Wadenmuskulatur und der Plantarfaszie, gedämpften Schuhen, Einlagen und gezielter Belastungsanpassung führt bei rund neunzig Prozent der Betroffenen innerhalb von sechs bis zwölf Monaten zur Beschwerdefreiheit [Goff JD, Crawford R, Am Fam Physician 2011]. :::

Wie die Plantarfasziitis entsteht

Die Plantarfaszie ist eine straffe Bindegewebsplatte, die wie ein Bogen das Längsgewölbe des Fusses aufspannt. Bei jedem Schritt wirkt eine Zugkraft auf ihren Ansatz am Fersenbein. Wird diese Belastung über längere Zeit zu gross, entstehen feine Mikrorisse im Sehnenansatz, die eine lokale Reizung mit degenerativen Veränderungen auslösen. Es handelt sich also nicht um eine klassische Entzündung im akuten Sinn, sondern um eine fasziale Überlastungsreaktion mit entzündlichen Komponenten.

Im Röntgenbild zeigt sich bei vielen Betroffenen ein knöcherner Sporn am Fersenbein. Wichtig zu verstehen: Dieser Fersensporn ist in der Regel nicht die Ursache der Schmerzen. Er ist eine Anpassung des Knochens an die chronische Zugbelastung. Auch Menschen ohne Beschwerden weisen oft einen solchen Sporn auf [Buchbinder R, N Engl J Med 2004]. Die eigentliche Schmerzquelle bleibt die gereizte Sehnenplatte selbst. Eine wirksame Therapie zielt darum auf die Faszie und die umliegende Muskulatur, nicht auf den Knochen.

Zu den typischen Risikofaktoren gehören mehrere Belastungsmuster, die sich oft kombinieren:

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  • Sportliche Überlastung, vor allem Laufsport auf hartem Untergrund
  • Längere Steh- oder Gehbelastung im Beruf
  • Ungeeignetes oder zu wenig gedämpftes Schuhwerk
  • Fussfehlstellungen wie Senk- oder Plattfuss
  • Verkürzte oder untrainierte Wadenmuskulatur
  • Übergewicht und plötzliche Gewichtszunahme :::

Diagnostik in der Praxis

Die Diagnose der Plantarfasziitis ist in den meisten Fällen klinisch. Typisch ist der lokale Druckschmerz am medialen Fersenbeinansatz, kombiniert mit dem morgendlichen Anlaufschmerz und einer Verschlimmerung nach Belastung. Eine bildgebende Diagnostik ist nicht in jedem Fall nötig, sie hilft jedoch in unklaren Situationen oder bei längerem Verlauf.

In unserer Praxis arbeiten wir bevorzugt mit hochauflösendem Ultraschall. Die Ultraschalluntersuchung erlaubt eine direkte Beurteilung der Plantarfaszie, ihrer Dicke und allfälliger struktureller Veränderungen. Eine verdickte Faszie über vier Millimeter am Fersenbeinansatz gilt als bildgebender Hinweis auf eine Plantarfasziitis [Goff JD, Crawford R, Am Fam Physician 2011]. Ein MRI bleibt selteneren Fragestellungen vorbehalten, etwa wenn andere Ursachen wie eine Stressfraktur, eine Tarsaltunnelsyndrom oder eine systemische rheumatische Erkrankung im Raum stehen.

Konservative Therapie: Was Sie selbst tun können

Die gute Nachricht zuerst: Bei rund neun von zehn Betroffenen lässt sich die Plantarfasziitis konservativ behandeln. Geduld ist der entscheidende Faktor, denn der Heilungsverlauf erstreckt sich oft über mehrere Monate. Die folgenden Massnahmen bilden das Fundament jeder Therapie:

Dehnübungen der Plantarfaszie und der Wadenmuskulatur. Mehrfach täglich gezielt durchgeführt, sind sie die wirksamste Einzelmassnahme. Eine bewährte Übung ist die Treppenstufen-Dehnung: Stellen Sie sich mit dem Vorfuss auf eine Stufe und lassen Sie die Ferse langsam absinken, bis Sie eine deutliche Dehnung in Wade und Fusssohle spüren. Halten Sie die Position dreissig Sekunden, wiederholen Sie sie drei bis fünf Mal. Ergänzend hilft das Rollen der Fusssohle über einen kleinen Ball oder eine gefrorene Wasserflasche.

Kühlung. Eine gefrorene Wasserflasche unter dem Fuss kombiniert Kältereiz und Massage. Fünf bis zehn Minuten nach Belastung lindern Schmerz und reizbedingte Schwellung.

Schuhwerk und Einlagen. Gut gedämpfte Schuhe mit stabilem Fersenbereich sind die Basis. Weiche Fersenpolster oder konfektionierte sportmedizinische Einlagen entlasten den Sehnenansatz. Bei ausgeprägten Fussfehlstellungen sind individuell angepasste Einlagen sinnvoll.

Belastungsanpassung. Vorübergehend reduzierte Lauf- oder Stehzeiten geben dem Gewebe die Möglichkeit, sich zu erholen. Alternative Trainingsformen wie Schwimmen oder Velofahren erhalten die Fitness, ohne die Faszie zu belasten.

Nichtsteroidale Antirheumatika. Ein kurzzeitiger Einsatz von NSAR wie Ibuprofen oder Diclofenac kann in der akuten Phase Schmerz und Reizung lindern. Eine längerfristige Einnahme ist wegen der bekannten Magen- und Nierenrisiken nicht sinnvoll und ersetzt die ursächlichen Massnahmen nicht.

Wann was hilft: Erweiterte Therapieoptionen

Wenn die Beschwerden nach sechs bis acht Wochen konsequenter Selbstbehandlung nicht zurückgehen, beginnt eine erweiterte Therapie sinnvoll zu werden. Die Reihenfolge orientiert sich am Verlauf und der Belastung im Alltag:

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  • Strukturierte Physiotherapie mit Dehn- und Kräftigungsprogramm
  • Fokussierte oder radiale Stosswellentherapie (ESWT)
  • Sportmedizinische Einlagenversorgung
  • Injektion mit körpereigenen Wachstumsfaktoren (PRP)
  • Niedrig dosierte Schmerzbestrahlung (Low-Dose Radiotherapy, LDRT)
  • Kortikosteroid-Infiltration, zurückhaltend eingesetzt :::

Die Stosswellentherapie hat in den letzten Jahren eine wachsende Evidenzbasis bei chronischer Plantarfasziitis gewonnen. Drei bis fünf Sitzungen im Wochenabstand können den Schmerz deutlich reduzieren, besonders in Kombination mit konsequentem Dehnungsprogramm [Rompe JD et al., Int J Surg 2015]. Sie ist meist ambulant und schmerzarm, eine lokale Anästhesie ist in der Regel nicht nötig.

Die PRP-Injektion (platelet-rich plasma) nutzt körpereigene Wachstumsfaktoren aus dem eigenen Blut, um die Selbstheilung des Gewebes anzuregen. Sie ist eine Option bei chronisch-rezidivierenden Verläufen, wenn andere Massnahmen nicht ausreichen.

Die niedrig dosierte Schmerzbestrahlung (LDRT) ist eine etablierte Option für besonders hartnäckige Verläufe. Mehrere kontrollierte Studien zeigen eine deutliche Schmerzreduktion bei einem grossen Anteil der Behandelten, die auf konservative Therapie nicht angesprochen haben [Niewald M et al., Int J Radiat Oncol Biol Phys 2012]. Die Strahlendosis liegt um ein Vielfaches niedriger als in der Onkologie und das Nutzen-Risiko-Verhältnis ist bei Erwachsenen über vierzig Jahren günstig.

Kortikosteroid-Injektionen lindern den Schmerz oft rasch, schwächen aber bei wiederholter Anwendung die Faszie und erhöhen das Risiko einer Plantarfaszienruptur. Sie kommen darum nur selten und gezielt zum Einsatz, nicht als Standardtherapie.

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## So gehen wir in der Praxis vor

In unserer Praxis Dein Team fürs Leben starten wir mit einer ausführlichen Anamnese und einer klinischen Untersuchung, ergänzt durch eine Ultraschalluntersuchung der Plantarfaszie. Auf dieser Grundlage besprechen wir mit Ihnen einen Stufenplan: Welche Massnahmen können Sie selbst zu Hause umsetzen, welche koordinieren wir mit den Physiotherapeuten unseres Netzwerks, und ab welchem Zeitpunkt erweitern wir die Therapie um Stosswelle, PRP oder LDRT. Ziel ist, die Mehrzahl der Verläufe konservativ und ohne Operation zur Beschwerdefreiheit zu führen.

:::faq

Wie lange dauert die Heilung einer Plantarfasziitis?

Die meisten Verläufe brauchen zwischen sechs und zwölf Monaten konsequente Therapie. Der grösste Teil der Schmerzreduktion stellt sich in den ersten drei Monaten ein, der Rest braucht Geduld und kontinuierliches Dehnen.

Muss man einen Fersensporn operativ entfernen?

In der Regel nicht. Der Fersensporn ist Folge der Überlastung, nicht ihre Ursache. Eine operative Entfernung ist nur in seltenen Ausnahmefällen sinnvoll und wird heute kaum noch durchgeführt.

Helfen Einlagen wirklich?

Bei vielen Betroffenen ja. Gut gedämpfte Standardeinlagen oder weiche Fersenkissen reichen in vielen Fällen aus. Bei ausgeprägten Fussfehlstellungen empfiehlt sich eine individuelle sportmedizinische Anpassung.

Wann ist eine Kortison-Spritze sinnvoll?

Nur sehr zurückhaltend und in ausgewählten Situationen. Wiederholte Injektionen schwächen die Faszie und können langfristig mehr Schaden als Nutzen anrichten. Stosswelle und PRP sind in den meisten Fällen die bessere Option.

Darf ich mit Plantarfasziitis weiter Sport treiben?

Belastungen, die den Schmerz reproduzieren, sollten Sie vorübergehend reduzieren. Alternativen wie Schwimmen, Aqua-Jogging oder Velofahren erhalten Kondition und Muskulatur, ohne die Faszie zu reizen. :::

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**Autor:** Prof. Dr. C.K. Fritz M.Sc., Physician Associate für Allgemeine Innere Medizin, Schmerzmedizin, Praxisleitung Dein Team fürs Leben.