Innere Medizin

Optimal vorbereitet für Ihre Operation. Ein Leitfaden zur präoperativen Diagnostik.

Vor einer geplanten Operation entscheidet die präoperative Abklärung mit über das, was im OP-Saal und in den Stunden danach geschieht. In einer sorgfältigen internistisch-kardiologischen Standortbestimmung erkennen wir Risiken, bevor sie zu Komplikationen werden, und geben der Anästhesistin die Information, die sie für ein sicheres Narkoseverfahren braucht. In der DTL-Praxis bündeln wir diese Vorbereitung aus einer Hand und werten Auffälligkeiten gemeinsam mit der kardiologischen Co-Leitung aus.

Thomas im roten Bademantel an der Espressomaschine am frühen Morgen, eine Hand am unteren Rücken, daneben eine Gesundheits-App.

Was die präoperative Diagnostik leistet

Kurz erklärt
Die präoperative Diagnostik ist die strukturierte Standortbestimmung Ihres Gesundheitszustands vor einem geplanten Eingriff. Sie umfasst ärztliches Gespräch (Anamnese), klinische Untersuchung, gezielte Laboranalyse, Ruhe-EKG sowie bei Indikation Echokardiografie, Lungenfunktion oder Belastungstests. Ziel ist eine evidenzbasierte Einschätzung des kardiovaskulären und pulmonalen Risikos, eine Anpassung der Dauermedikation (insbesondere Antikoagulanzien, Antidiabetika, Antihypertensiva) und ein verständlicher Bericht für den Operateur und die Anästhesistin. Die European Society of Cardiology empfiehlt in ihrer Leitlinie 2022 ein abgestuftes Vorgehen, das sich am Operationsrisiko (niedrig, mittel, hoch) und an der funktionellen Kapazität in metabolischen Äquivalenten (MET) orientiert [Halvorsen S et al., Eur Heart J 2022]. Bei „Dein Team fürs Leben“ übernimmt unser interdisziplinäres Team die internistische und, wenn notwendig, kardiologische Abklärung. Der Termin liegt idealerweise drei bis vier Wochen vor dem Eingriff. Bei akuten Beschwerden vor dem geplanten Termin (anhaltender Brustdruck, neue Atemnot, Synkope) wählen Sie 144.

Warum die Vorbereitung über den Verlauf entscheidet

Perioperative kardiovaskuläre Ereignisse sind die häufigste Ursache für Tod und Komplikationen nach nicht-kardialen Operationen. Eine US-amerikanische Analyse von über zehn Millionen stationären Eingriffen bei Patient:innen ab 45 Jahren zeigte eine perioperative MACCE-Inzidenz (Tod, Myokardinfarkt und Schlaganfall zusammen) von rund 3 Prozent, mit deutlich höherem Risiko bei gefässchirurgischen, thorakalen und grossen viszeralchirurgischen Eingriffen [Smilowitz NR et al., JAMA Cardiol 2017]. Die ESC-Leitlinie 2022 betont, dass eine systematische Vorbereitung diese Ereignisse zwar nicht eliminiert, aber durch frühzeitige Identifikation und gezielte Optimierung relevant beeinflussen kann [Halvorsen S et al., Eur Heart J 2022].

Drei Grössen bestimmen das Risiko:

  • Patientenfaktoren. Alter, Begleiterkrankungen (KHK, Herzinsuffizienz, Diabetes, Niereninsuffizienz, COPD), Dauermedikation, körperliche Belastbarkeit. Der Revised Cardiac Risk Index (RCRI) und die ASA-Klassifikation [ASA Physical Status Classification System] sind die gängigen Werkzeuge.
  • Eingriffsspezifische Risiken. Die ESC-Leitlinie unterscheidet niedriges (<1 Prozent kardiales Risiko), mittleres (1-5 Prozent) und hohes (>5 Prozent) Eingriffsrisiko. Eine Kataraktoperation gehört in die erste, eine offene Aortenchirurgie in die letzte Kategorie [Halvorsen S et al., Eur Heart J 2022].
  • Funktionelle Kapazität. Wer ohne Beschwerden zwei Treppenstockwerke schafft, erreicht etwa 4 MET und gilt nach ESC als belastbar genug für die meisten Eingriffe. Bei <4 MET oder unklarer Belastbarkeit wird die kardiale Abklärung intensiviert [Halvorsen S et al., Eur Heart J 2022].

Aus der Kombination der drei Grössen leiten wir ab, ob ein Ruhe-EKG genügt oder ob Echokardiografie, Belastungstest oder weiterführende Bildgebung indiziert sind.

Was bei Dein Team konkret untersucht wird

In der internistischen Vorbereitung gehen wir fünf Bereiche durch. Was untersucht wird, hängt vom Eingriffsrisiko, Ihrem Alter und Ihren Vorerkrankungen ab. Keine Routine ohne Indikation.

  • Anamnese und klinische Untersuchung. Vorerkrankungen, Voroperationen, Allergien, Medikamentenliste, familiäre Belastung, Belastbarkeit in MET. Auskultation Herz und Lunge, peripheres Pulsmuster, Blutdruck an beiden Armen, orientierende Neurologie.
  • Labor. Bei mittlerem und hohem Eingriffsrisiko Blutbild, Elektrolyte, Kreatinin und geschätzte glomeruläre Filtrationsrate, Glukose und HbA1c bei Diabetes, Gerinnungsparameter, Leberwerte. NT-proBNP empfiehlt die ESC-Leitlinie 2022 bei Patient:innen >65 Jahren oder mit kardiovaskulärem Risikoprofil vor mittlerem oder hohem Eingriffsrisiko [Halvorsen S et al., Eur Heart J 2022].
  • Ruhe-EKG. Standard bei allen kardiovaskulär vorbelasteten Patient:innen und bei mittlerem bis hohem Eingriffsrisiko. Es erkennt Rhythmusstörungen, Schenkelblock, Ischämiezeichen und gibt die Vergleichsbasis für das postoperative EKG.
  • Bildgebung bei Indikation. Transthorakale Echokardiografie bei bekannter oder vermuteter Herzinsuffizienz, Klappenerkrankung oder neuer Dyspnoe. Belastungstests (Ergometrie, Stress-Echo, Stress-MRI) bei <4 MET vor hohem Eingriffsrisiko [Halvorsen S et al., Eur Heart J 2022]. Lungenfunktion (Spirometrie) bei bekannter COPD, anhaltendem Husten oder vor thoraxchirurgischen Eingriffen.
  • Risikostratifizierung. RCRI, ASA-Status, ESC-Algorithmus. Die Werte landen im Bericht in übersetzter Form, also bezogen auf Ihren Eingriff und auf die Narkose, nicht als rohe Zahl ohne Kontext.

Der Befund geht in einem strukturierten Bericht direkt an Operateur:in und Anästhesist:in. Statt drei bis vier separater Termine bei Hausärztin, Kardiologie und Labor läuft die Abklärung in einer Sprechstunde. Doppelter Termin entfällt.

Präoperative Diagnostik · alle Untersuchungen aus einer Hand

Anamnese, EKG, Labor und Bildgebung in einer Sprechstunde. Strukturierter Bericht an Operateur und Anästhesistin innerhalb von 48 Stunden.

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## Medikamenten-Management vor dem Eingriff

Hier liegt einer der häufigsten Gründe für vermeidbare Komplikationen. Welche Medikamente Sie am Operationstag einnehmen, welche Sie pausieren und ob bridging nötig ist, gehört nicht in eine improvisierte Entscheidung am Vorabend. Drei Substanzgruppen verlangen besondere Aufmerksamkeit:

Antikoagulation und Plättchenhemmer. Für Patient:innen mit Vorhofflimmern unter Vitamin-K-Antagonisten ist die BRIDGE-Studie 2015 die Referenz: Bei mittelhohem Schlaganfallrisiko war eine perioperative Pause der Antikoagulation ohne Bridging nicht schlechter als Bridging mit niedermolekularem Heparin und reduzierte das Blutungsrisiko deutlich [Douketis JD et al., NEJM 2015]. Für direkte orale Antikoagulanzien (DOAK) gibt die ESC-Leitlinie eingriffsabhängige Pausenintervalle vor, in der Regel 24 bis 48 Stunden vor niedrigem bis mittlerem und 48 bis 72 Stunden vor hohem Blutungsrisiko, abhängig von der Nierenfunktion [Halvorsen S et al., Eur Heart J 2022]. ASS wird vor den meisten Eingriffen weitergeführt; Clopidogrel und Prasugrel werden bei elektiven Eingriffen meist pausiert. Die individuelle Reaktion auf Plättchenhemmer hängt zusätzlich vom CYP2C19-Status ab, was wir in der DTL-Praxis berücksichtigen (siehe Plättchenhemmer und individuelle Reaktion).

Diabetes-Medikation. Metformin wird am Operationstag pausiert, SGLT2-Inhibitoren (Empagliflozin, Dapagliflozin, Canagliflozin) idealerweise drei bis vier Tage vor dem Eingriff wegen des Risikos einer euglykämischen Ketoazidose [Halvorsen S et al., Eur Heart J 2022]. Insulin wird angepasst, nicht weggelassen. HbA1c-Werte über 8,5 Prozent verlangen vor elektiven Eingriffen oft eine Optimierung.

Antihypertensiva. Betablocker werden bei chronischer Einnahme nicht abrupt abgesetzt. ACE-Hemmer und AT1-Antagonisten werden bei stabiler Herzinsuffizienz weitergeführt, am Operationstag aber häufig pausiert, um schwerer behandelbare intraoperative Hypotonien zu vermeiden [Halvorsen S et al., Eur Heart J 2022].

Welche perioperative Blutdruckstrategie die bessere ist, war lange offen. Die POISE-3-Substudie (7'490 Patient:innen, 22 Länder) verglich eine Strategie der Hypotonie-Vermeidung mit einer Strategie der Hypertonie-Vermeidung und fand keinen Unterschied im kombinierten Endpunkt aus Tod, Myokardverletzung, Schlaganfall und Herzstillstand innerhalb von 30 Tagen, der in beiden Armen bei 14 Prozent lag [Marcucci M et al., Ann Intern Med 2023]. Die klinische Konsequenz: Die Entscheidung, welche Antihypertensiva am Operationstag gegeben oder pausiert werden, bleibt individuell und beginnt mit der präoperativen Standortbestimmung.

Die präoperative kardiovaskuläre Evaluation orientiert sich am Eingriffsrisiko und an der funktionellen Kapazität, nicht an einer fixen Untersuchungsroutine. Routinetests ohne Indikation verzögern den Eingriff und liefern selten klinisch relevante Information.

Halvorsen S et al., Eur Heart J 2022

Co-Leitung mit der Kardiologie · wann Gloekler dazukommt

Die internistische Abklärung deckt das Spektrum für die meisten elektiven Eingriffe ab. In drei Konstellationen ziehen wir die kardiologische Co-Leitung durch Prof. Dr. Steffen Gloekler hinzu:

  • Auffälliger Befund. Neue Ischämiezeichen im EKG, neu aufgetretener Schenkelblock, pathologisches NT-proBNP, neu detektiertes Vorhofflimmern, Herzgeräusch ohne bekannte Ursache. Die kardiologische Beurteilung erfolgt in der Regel innerhalb derselben Woche, mit Echokardiografie und bei Bedarf Belastungstest.
  • Hohes Eingriffsrisiko bei kardiovaskulär vorbelasteten Patient:innen. Bei geplanten gefäss-, thorax- oder grossen viszeralchirurgischen Eingriffen mit ≥2 RCRI-Risikofaktoren empfiehlt die ESC eine spezialistische Vorabklärung [Halvorsen S et al., Eur Heart J 2022].
  • Stentträger und antithrombotische Therapie. Bei Patient:innen mit kürzlicher Koronarintervention ist die zeitliche Steuerung der dualen Plättchenhemmung ein eigenes Thema. Hier entscheidet die kardiologische Beurteilung, oft in Abstimmung mit dem implantierenden Zentrum.

Der Befund läuft direkt zwischen den beiden Praxen, ohne dass Sie den Bericht selbst weiterleiten müssen.

Wann der Termin für die präoperative Abklärung sinnvoll ist

Idealerweise drei bis vier Wochen vor dem geplanten Eingriff. Genug Zeit, um eine Optimierung der Diabetes-Einstellung, eine Anpassung der antihypertensiven Therapie oder eine kardiologische Abklärung umzusetzen. Bei Eingriffen mit niedrigem Risiko reicht häufig eine Woche; bei hohem Risiko empfehlen wir vier bis sechs Wochen Vorlauf.

Was Sie zum Termin mitbringen:

  • Die genaue Diagnose und das geplante Operationsdatum
  • Aktuelle Medikamentenliste (mit Dosen und Einnahmezeiten)
  • Vorbefunde der letzten zwölf Monate (Spitalberichte, kardiologische Befunde, Labor)
  • Versichertenkarte und Personalien

Abgerechnet wird über die obligatorische Krankenversicherung nach TARDOC. Bei Zusatzversicherung sind erweiterte Wahlleistungen möglich. Die Rezeption klärt die Abrechnung und versendet bei internationalen Patient:innen die Rechnung direkt.

Wo Sie im Cluster weiterlesen können

Die präoperative Vorbereitung berührt mehrere internistische und kardiologische Themen. Im DTL-Wissensbereich finden Sie:

Die kardiologische Seite der präoperativen Risikostratifizierung liegt beim Schwester-Hub: Kardiale Risikostratifizierung vor Operation auf dth.healthcare.

Häufige Fragen

Wie viel Vorlauf brauche ich für die präoperative Abklärung?
Idealerweise drei bis vier Wochen vor dem Eingriff. Bei niedrigem Eingriffsrisiko reicht oft eine Woche, bei hohem Risiko empfehlen wir vier bis sechs Wochen, damit Anpassungen der Medikation oder eine kardiologische Vertiefung wirksam werden können.

Muss ich mein Aspirin vor der Operation absetzen?

In der Regel nicht. ASS wird bei den meisten Eingriffen weitergeführt, weil das kardiovaskuläre Risiko einer Pause meist höher wiegt als das Blutungsrisiko. Ausnahmen sind neurochirurgische und einzelne ophthalmologische Eingriffe. Die individuelle Entscheidung trifft die präoperative Sprechstunde, in Abstimmung mit dem Operateur [Halvorsen S et al., Eur Heart J 2022].

Brauche ich Bridging, wenn ich Marcoumar nehme?

Bei den meisten Patient:innen mit Vorhofflimmern und mittelhohem Schlaganfallrisiko nicht. Die BRIDGE-Studie zeigte, dass eine Pause ohne Heparin-Bridging nicht schlechter und sicherer ist [Douketis JD et al., NEJM 2015]. Bei mechanischen Herzklappen oder sehr hohem thromboembolischem Risiko gilt das nicht. Die Entscheidung treffen Hausarzt und Kardiologe gemeinsam.

Was, wenn der Eingriff in zwei Wochen ist und ich noch keine Abklärung habe?

Wir nehmen Sie auf. Termin in der Regel innerhalb einer Woche. Die Abklärung wird auf das verfügbare Zeitfenster zugeschnitten, mit klarer Empfehlung an Operateur und Anästhesistin.

Übernimmt die Krankenkasse die präoperative Diagnostik?

Bei medizinischer Indikation ja. Ambulante ärztliche Leistungen sind Pflichtleistungen der obligatorischen Grundversicherung und werden über TARDOC abgerechnet. Den Selbstbehalt regelt Ihre Police.

Wer bekommt den Bericht?

Der strukturierte Bericht geht direkt an Operateur:in und Anästhesist:in, in Kopie an Ihre Hausärztin, falls sie nicht in unserer Praxis ist. Sie erhalten eine verständliche Zusammenfassung für Sie selbst.

Präoperative Sprechstunde bei Dein Team fürs Leben

Termin in der Regel innerhalb einer Woche, idealerweise drei bis vier Wochen vor dem geplanten Eingriff. Ärztliches Gespräch, EKG, Labor und Bildgebung aus einer Hand. Bei akuten Beschwerden vor dem Eingriff (Brustdruck, Atemnot, Synkope) wählen Sie 144.

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*Autor: Prof. Dr. C.K. Fritz M.Sc., Physician Associate für Allgemein Innere Medizin, Schmerzmedizin, Praxisleitung Dein Team fürs Leben, Zürich.*